Manuela Scheerenberger

Manuela, Busfahrerin

„Diese riesigen gelben Ungetüme sicher durch die Straßen Berlins zu bringen – ich kann mir einfach kaum etwas Aufregenderes vorstellen.“

Morgens, 04.29 Uhr, in Berlin. Es ist noch dunkel, aber das macht mir nichts. Ich habe gute Laune und mache mich mit meinem Fahrrad auf den Weg zum Betriebshof. Dort hat der Nachtdienst den Bus wie immer schon abgestellt. Ich beginne meine Schicht sehr früh, weil ich heute die letzte Fahrt mit einer neuen Kollegin habe, die mich seit sieben Tagen als Lernfahrerin begleitet. Zusammen mit ihr prüfe ich den Bus auf Mängel. Der Bus ist top in Ordnung, zum Glück. Mängel hätte ich dokumentieren müssen, aber das bleibt mir heute erspart. Ich fahre lieber, als Papierkram zu erledigen.

Manuela Scheerenberger

Ich setze mich ans Steuer und nehme das Lenkrad in die Hand. Immer wieder ein tolles Gefühl. Es erinnert mich an meine Anfänge bei der BVG. Ich wollte mich damals umorientieren und habe nach einem Job gesucht, der mir Spaß macht und in dem ich auch als alleinerziehende Mutter von drei Kindern arbeiten kann. Die damalige BVG-Kampagne, um Frauen den Fahrerberuf näherzubringen, hat mich sofort angesprochen. Und als ich dann das erste Mal das Steuer in der Hand hielt, wusste ich sofort: Das ist es! Diese riesigen gelben Ungetüme sicher durch die Straßen Berlins zu bringen – ich kann mir einfach kaum etwas Aufregenderes vorstellen.

Zeit, lange in Erinnerungen zu schwelgen, habe ich nicht, in diesem Moment erreiche ich die Einsatzhaltestelle. Die ersten Fahrgäste steigen ein, es beginnt wieder eine aufregende Tour. Freundliche Fahrgäste versüßen mir den Tag, aber es gibt natürlich auch die Kehrseite. Da braucht man starke Nerven, für mich aber kein Problem. Mit meiner ansteckend guten Laune bringe ich noch den schroffsten Fahrgast zum Lächeln. Auch das ist ein Aspekt, der mich an dem Job begeistert. Ich bin eben nicht einfach nur eine Fahrerin, sondern viel mehr. Mediatorin, Fremdenführerin, manchmal auch Kindergärtnerin. Es wird einfach nie langweilig, man lernt ständig Neues und erlebt spannende Geschichten. Wie zum Beispiel die des Pärchens, das sich momentan hinten im Bus lautstark streitet. Als ich gerade überlege, eine Durchsage zu machen, hat es sich schon wieder versöhnt.

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„Ich bin eben nicht einfach nur eine Fahrerin, sondern viel mehr.“

Jetzt konzentriere ich mich weiter auf meine anstehende Fahrt mit dem 134er durch Spandau und die neue Kollegin an meiner Seite. Auf der Fahrt zeige ich ihr markante Stellen, die mir mit der Zeit aufgefallen sind. Besonders schöne Fleckchen, an denen ich immer wieder gern vorbeifahre und die ich mit kleinen Geschichten und Eselsbrücken verbinde. Warum soll ich die auch nicht mit meiner neuen Kollegin teilen? Ihre Angst, sich mal zu verfahren, kann ich ihr schnell nehmen. Mir ist das in meiner Anfangszeit auch passiert, aber mit einer guten Portion Humor und engem Kontakt zu den Fahrgästen wurde da noch eine schöne Sightseeingtour draus.

Zurück auf dem Betriebshof lasse ich die junge Kollegin aussteigen, nach unserer gemeinsamen Zeit wird sie ab morgen alleine unsere Busse durch Berlin lenken. Ich habe sie aber optimal darauf vorbereitet und bin guter Dinge, dass sie das ebenso gut meistern wird, wie die vielen anderen Busfahrer und Busfahrerinnen, die für die BVG täglich im Einsatz sind. Und so beende ich meinen Tag, wie ich ihn angefangen habe, und entspanne auf meinem Fahrrad auf dem Weg nach Hause. Ich fahre viel Rad, das ist ein guter Ausgleich zur Hektik in der Stadt. Es hilft mir, den Kopf frei zu bekommen und in den Feierabend zu starten. Aber ich freue mich schon auf morgen, wenn mein Lenkrad mich wiederhat und ich die Menschen wieder durch Berlin bewegen kann.

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Anna

Fahrdienst