Portrait-Foto von Hanna Matthies, Beauftragte für mobilitätseingeschränkte Fahrgäste bei der BVG. Bild zur Mitteilung

11.10.2021

Barrierefreiheit bei der BVG

Interview mit Hanna Matthies, Beauftragte für mobilitätseingeschränkte Fahrgäste bei der BVG Hanna arbeitet daran, dass alle Fahrgäste die BVG ohne Hindernisse nutzen können. Wir haben sie gefragt, welche Bereiche sie bei der BVG konkret in den Fokus nimmt, auf welche Hindernisse sie stößt und was Kolleg*innen tun können, um die Barrierefreiheit voranzubringen.  

Du arbeitest daran, die BVG barrierefrei zu machen. Was ist Barrierefreiheit?

Die gesetzliche Definition besagt, dass es allen Menschen möglich sein soll, ohne fremde Unterstützung die BVG zu nutzen – egal, ob sie Einschränkungen haben oder nicht. Kann man beispielsweise nicht gut sehen, braucht man klare und gut verständliche Ansagen. Menschen im Rollstuhl brauchen ebenerdig zugängliche Fahrzeuge und Aufzüge. Monitore und die Daisy-Anzeige helfen Menschen, die nicht hören können. Und Fahrgäste mit Lernschwierigkeiten, die Informationen nicht so schnell verarbeiten können, brauchen eine klare und deutliche Sprache und eindeutige Fahrgastinformationen. Man sieht: Von Barrierefreiheit profitieren alle Fahrgäste. Oder wer kann sich heute noch einen Bus mit schmalen, steilen Stufen am Eingang oder eine Straßenbahn ohne Haltestellenansage oder Anzeiger vorstellen?  

Wer unterstützt dich bei dieser großen Aufgabe?

Das sind vor allem meine beiden Team-Kolleg*innen. Es ist bei unserer Arbeit wichtig, viel zu diskutieren, sich auszutauschen. Außerdem unterstützen mich alle Kolleg*innen, die die Relevanz des Themas erkennen und daher Barrierefreiheit gleich mitdenken, wenn sie Projekte umsetzen.  

Welche Bereiche umfasst Barrierefreiheit bei der BVG?

Barrierefreiheit ist sehr vielfältig und betrifft alle Bereiche der BVG. Ich nenne nur einige Beispiele: Da ist die Infrastruktur: Ist zum Beispiel der U-Bahnhof gut für Fahrgäste zugänglich? Außerdem die Fahrzeuge: Alle BVG Fahrzeuge haben zum Beispiel gelbe Haltestangen. Diese bilden ein Leitsystem, an dem sich Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen entlangbewegen können. Auch die Monitore in den Fahrzeugen und an Bahnhöfen tragen zur Barrierefreiheit bei. Nicht zu vergessen ist die Barrierefreiheit unserer Internetseiten und Apps.  

Und woran arbeitest du?

Im Mittelpunkt stehen bei mir die digitalen Produkte: Haben unsere Videos Untertitel? Ist unsere Webseite vorlesbar? Stimmen die Kontraste in den Apps? Solche Fragen. Außerdem gehört die Kommunikation zu meinen Aufgaben: Warum ist Barrierefreiheit wichtig? Dies hat einen internen Fokus, denn wir können unsere Arbeit nur machen, wenn die Kolleg*innen mitziehen. Und nach extern kommunizieren wir unter anderem mit Verbänden und der Politik, darunter die Behindertenbeauftragten von Bezirk und Land. Wir geben auch Medienvertreter*innen Interviews.  

Was sind die größten Herausforderungen bei deiner Arbeit?

Die Bedürfnisse und Einschränkungen von Menschen sind sehr vielfältig. In der Praxis geht es daher oft darum, Kompromisse zu finden. Kürzlich haben wir gemeinsam mit Behindertenverbänden eine neue Straßenbahn getestet. Im Mehrzweckbereich waren Sitze angebracht, was gut für Nutzer*innen von Rollatoren war, da sie sich schnell setzen konnten. Für den E-Rollstuhl reichte der Platz aber nicht aus. Nun wird über Klappsitze nachgedacht, die allerdings verzögert hochklappen sollten, damit sie niemandem unterm Hintern wegklappen.  

Die Realisierung von Barrierefreiheit ist per Gesetz verordnet. Schätzt du die Vorgaben als sinnvoll ein? Wo würdest du gern über das Geforderte hinausgehen und mehr erreichen?

Gesetze helfen uns bei der Arbeit enorm, weil sie Verbindlichkeit bringen. Ohne diese Vorschriften wird Barrierefreiheit schnell zu einem „nice to have“. Die Gesetze geben den Rahmen vor. Und bei der Ausgestaltung gibt es dann einen großen Spielraum. Das sehe ich zwiespältig: Einerseits würden detaillierte Vorgaben zur Umsetzung zu stark einschränken und die Arbeit erschweren. Andererseits vereinfachen klare Regeln eine Umsetzung und können sie beschleunigen.  

Wenn es bei der Umsetzung hakt, woran liegt es vor allem?

Häufig sieht es von außen einfach aus: Fahrgäste fragen uns zum Beispiel: „Warum geht der Aufzugseinbau nicht voran?“. Sie wissen nicht, dass bis zu 50 verschiedene Akteure involviert sind. Einige Bahnhöfe sind so alt, dass es keine Baupläne mehr gibt. Die Planungsprozesse dauern oft Jahre. Außerdem wird Barrierefreiheit oft nicht von vornherein mitgedacht. Gerade bei digitalen Produkten wäre das viel einfacher. Eine Website direkt barrierefrei zu programmieren ist gut machbar. Im Nachgang Barrieren wieder abzubauen ist hingegen aufwendig.  

Wo ist deiner Einschätzung nach am meisten zu tun?

Bei der digitalen Barrierefreiheit. Hier geht es darum, Wissen auszubauen. Was bedeutet das eigentlich für Apps, Videos und andere Produkte? Außerdem ist viel zu tun, um die gesetzlichen Vorgaben zu bestimmten Stichtagen umzusetzen und um Standards der Produkte zu erhalten, die bereits barrierefrei sind.  

Welches Projekt findest du aktuell am Wichtigsten?

In Kürze müssen wir Vorgaben auf den Internetseiten und in Apps zur Gebärdensprache umsetzen. Außerdem trommele ich für die digitale Barrierefreiheit.  

Was können Kolleg*innen tun, um dich bei deiner Aufgabe zu unterstützen?

Ich wünsche mir, dass mehr Kolleg*innen bei einem Praxistag mitmachen. Wir bieten Mobilitätstrainings für Fahrgäste mit Einschränkungen an. Daran können auch alle interessierten BVGer*innen teilnehmen. Mit meinem Kollegen lade ich zu einem ÖPNV-Spaziergang ein. Wir zeigen die Perspektiven von blinden Fahrgästen und Rollstuhlfahrer*innen. Sprecht mich an – wir können da gerne etwas organisieren. Anmerkung der Redaktion: Termine und Informationen zu den Mobilitätstrainings gibt es auf BVG.de/Unternehmen.  

Was bereitet dir bei deiner Arbeit besonderen Spaß?

Mein Job ist vielfältig und ich lerne immer neue Bereiche kennen. Am meisten Spaß bereitet mir der Austausch im Team, gemeinsam Themen zu diskutieren, den Horizont zu erweitern. Außerdem rede ich gern mit aufgebrachten Fahrgästen, die mal wieder auf die BVG schimpfen. Meist stellt sich im Gespräch heraus, dass es sich einfach um ein Missverständnis handelte. Meine Perspektive als Rollstuhlfahrerin gebe ich gern in redaktionellen Beiträgen wieder.  

Wie nehmen die Kolleg*innen auf, was von ihnen verlangt wird?

Die Mehrheit hat erkannt, dass es ein wichtiges Thema ist. Einige sehen es aber als Mehrarbeit an. Dabei ist klar: Barrierefreiheit nutzt allen Menschen.

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